Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Wintersdorf (Auszug)

Gründung

Bis zum Jahre 1898 bestand in Wintersdorf nur das alte Rottensystem. Da es den Anforderungen nicht mehr genügte, entschloß man sich eine uniformierte Feuerwehr zu gründen. 16 der jüngsten Bauern und Hausbesitzer sollten eingekleidet werden und den Feuerlöschdienst übernehmen. So versammelte man sich am 1. Februar des Jahres 1899 im hiesigen Gasthof zum Zwecke der Gründung eines Vereins innerhalb der Feuerwehr. Die Anmeldungen, zum Eintritt in die Wehr, waren so zahlreich, dass man sich entschloss, weitere 8 Uniformen zu beschaffen. Die Wehr war bei ihrer Gründung 24 Mann stark. Als erster Kommandant wurde, der damalige Bürgermeister und Gutsbesitzer O.S., ernannt. Das gesamte Inventar der Wehr umfasste, 24 Joppen, 24 Helme, 20 Koppel, 1 Wagenspritze und 140 m Schlauchmaterial. Es wurde auch eine monatliche Beitragszahlung, von 15 Pfennigen je aktives Mitglied und 25 Pfennigen je passives Mitglied vereinbart und eingeführt. Am 25. April 1900 konnte das Steigerhaus feierlich, seiner Bestimmung, übergeben werden.

 

1. Bewährungsprobe der Wehr

Ein ernster Tag war der 24. August 1900. Während eines schweren Unwetters schlug der Blitz in die Scheune des Gutsbesitzers G., in Waltersdorf, ein und zündete. Infolge des Unwetters scheuten die Pferde und die vollbesetzte Spritze wäre in den Straßengraben geraten, wenn nicht das Hinterrad an einen Baum geprallt wäre. So kam man mit dem Schrecken und einem gebrochenen Rad davon. Die Fahrt wurde fortgesetzt und die Wintersdorfer Wehr kam immer noch als erste am Brandherd an. Kaum war man aber zurück gekommen, ertönten abermals die Alarmsignale. Es brannte das Schachtgebäude der Grube Union“, im benachbarten Kriebitzsch. Für das gebrochene Hinterrad war kein Ersatz zu beschaffen, so dass kurz entschlossen ein sogenannter Schleifbaum angebracht wurde und fort ging die Fahrt. Auch hier erschien unsere Spritze als erste. Im Jahre 1907 wurde eine Abprotzspritze gekauft.

 

Jubiläum

Im 10. Jahr, seit Bestehen der FFW- Wintersdorf, war die Wehr 38 Mann stark ( 33 aktive und 5 passive Kameraden). An Technik und Ausrüstung stand der Wehr zur Verfügung: 1 vierrädrige Spritze, 1 Abprotzspritze, 1 Gerätewagen, 1 Schlauchwagen, 2 zweiholmige Steigleitern, 1 Laterne, 1 Rauchschutzapparat sowie nötiges Schlauchmaterial Alle Gespannbauern wurden verpflichtet, bei Alarmauslösung, Gespanndienste zu leisten.

 

1. Weltkrieg

Auch unsere Wehr blieb von dieser ernsten Zeit nicht verschont. 23 Kameraden wurden zu den Waffen einberufen. Während des Krieges war ein Vereinsleben und somit die Existenz der Wehr nahezu unmöglich. Da der Krieg immer mehr Einfluss auf die Stabilität der Wehr nahm, gründete man im Jahre 1915 eine Jugendkompanie. Diese sollte bei Ausbruch eines Brandes, mithelfend eingreifen. Zwei Kameraden starben, in diesem Krieg, den Heldentod. Kräftiger pulsierte das Leben erst wieder im Jahre 1920. Zu Ende des Jahres gab es folgenden Mitgliederstand: 40 Aktive, 16 Passive und 1 Ehrenmitglied 1923 kam es zur Anschaffung einer schon lange benötigten Schiebeleiter. Brandstifter in der Wehr.

 

Brandstifter in der Wehr

1930 wird der Kamerad F.P. infolge seines unverbesserlichen Handelns, ohne Widerspruch, von der FFw ausgeschlossen. Er wurde wegen 3 vollendeter und 2 versuchter Brandstiftungen vorn Schwurgericht zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt.

 

Vereinsgründung und Auflösung

In der Generalversammlung am 20. Januar 1934 wird einstimmig beschlossen, die Eintragung als Verein beim Amtsgericht Meuselwitz zu beantragen, welche dann auch am 7. März unter der Nr. 32 im Vereinsregister erfolgte. 1935 wird das Feuerwehrhaus fertiggestellt. 1936 wird der Verein auf Anordnung des Thüringer Innenministeriums aufgelöst. Alle aktiven Wehrleute werden der Polizei eingegliedert, als „Feuerlöschpolizei“.

 

2. Weltkrieg

Die letzte Eintragung in die Chronik erfolgte am 13.7.1940. Über die weitere Zeit des Nationalsozialismus fehlen jegliche Eintragungen im Protokollbuch. Fest steht das viele Kameraden in den Krieg ziehen mussten und wir auch Opfer zu beklagen hatten. Die ersten Eintragungen, nach dem Zusammenbruch des Faschismus, wurden erst wieder ab Juni 1946 durchgeführt..

 

DDR-Zeit

Am 8.Januar 1949 beging man mit einer schlichten, würdigen Feier das 50 jährige Bestehen unserer Freiwilligen Feuerwehr. Zu jener Zeit hatte die Wehr eine Stärke von 86 Mitgliedern, 6 Ehrenmitgliedern, 50 Aktiven und 30 Passiven. 1957 erfolgte der Bau des ersten Löschteiches. 1958 wird der neue Feuerlöschzug mit Mannschaftswagen, Motorspritze und Schlauchwagen, den Kameraden feierlich übergeben. Fahrer wurde der spätere Wirkungsbereichsleiter, G.V. Im selben Jahr wurde auch mit dem Bau der neuen Garage begonnen. 1963 wurde die AG „ Junge Brandschutzhelfer „ gegründet. Am 17.1.1979 wurde unserer Wehr ein neues Löschfahrzeug vorn Typ LO 2002 übergeben (LF8-TS8-STA). In den 80 iger Jahren war unsere Wehr im Rahmen der Zivilverteidigung eingebunden und erfüllte ihre Aufgaben vorbildlich. Wir gehörten dem 1. Selbständigen Brand Schutzzug an. Zu diesem Zug gehörten noch die Wehren aus Altenburg ( Süd-Ost ) und Zschernitzsch. Die Wintersdorfer Wehr nimmt seit 1981 regelmäßig an den Wirkungsbereichsausscheiden im Löschangriff teil und belegt immer vordere Plätze.